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© Hendrik Rubbeling

 

Vorbereitender Aufsatz zur Aufklärung der Entstehung

und Bedeutung der Taekwondo-Technik

„Ssang Bakkat Palmok makki“

 

von Hendrik Rubbeling

fertig gestellt am 1. Mai 2006

 

Abb. 1: Aus „Karate Kata No Rekishi“ von Jamal Measara, 2002, S. 78. Der Untertitel lautet: „Alte und Moderne Techniken“, links die ursprüngliche Form aus PINAN 1; rechts die japanische Form aus HEIAN 2

 

Abb. 2 zeigt Abb. 1, bearbeitet mit der Software „Paint“ von Microsoft, um die Position der Wirbelsäule zu illustrieren.

 

Einleitung und Hintergrund dieses Aufsatzes

 

Abbildung 1 ist – zusammen mit der Erklärung, welche von beiden die ältere Position ist – meiner Meinung nach sehr aufschlussreich, was die Bedeutung der Taekwon-Do Technik „ Ssang bakkat palmok makki[1]“ (übersetzt: „Doppelter Block mit dem äußeren Unterarm“) angeht.

 

Diese Technik, welche nach koreanischer Bezeichnung von Choi Hong Hi (einer der Begründer des Taekwondo) einen doppelten Block darstellt, erregt häufig bei Taekwondoin die Frage, wozu sie dienen könnte. Ein Anwendungssinn ist für viele, wenn nicht so gut wie allen Taekwondo-Betreibenden, nicht ersichtlich. Ich kannte bisher jedenfalls niemanden, der den Sinn schlüssig erklären konnte. In Technikbüchern des Taekwondo sind ebenfalls keine plausiblen Erklärungen zu finden, auch nicht im Buch „Taekwon-Do“ von Choi Hong-hi (1977), welches die besagte Technik erstmals in einem Kontext des Taekwon-Do und zudem in einer Taekwon-Do-Form (der „Tangun Hyong“)  beschreibt (S. 357). Dort werden zwar zwei Anwendungsbeispiele vorgeschlagen, wobei allerdings einer der beiden Arme (der seitlich neben dem Körper befindliche) völlig ohne Funktion ist. Somit wäre eine andere Bewegung eventuell sogar funktioneller.

 

Besagte Technik ist in Abb. 3 zu sehen. Ich habe mich an eine ausführliche Interpretation der Abb. 1 bzw. 2 gemacht, um eine Grundlage für die Klärung nach dem Sinn von Ssang bakkat palmok makki zu schaffen. Daher trägt dieser Aufsatz das Attribut „Vorbereitend“.

 

Diese Klärung könnte mittels des Wissens um die Geschichte des Taekwondo möglich sein: Nach derzeitigem Stand der Forschung ist Taekwondo in den späten 1940er bzw. frühen 50er Jahren aus dem Shotokan Karate hervorgegangen, welches seinerseits etwa 50 Jahre zuvor aus okinawanischen Stilen (Okinawa-Te) entwickelt wurde. Siehe dazu u.a. Gu Hyosung, 1993/94 und Dakin Burdick, 1996.

 

Die Verbindung von Abb. 1 zu Abb. 3 ist in diesem Aufsatz noch nicht enthalten und muss noch in einem fortführenden Text erarbeitet werden.

 

Abb. 3.: Ssang pakkat palmok makki / und Doppelblock zur Seite und nach oben mit den Außenseiten der Unterarme aus der Tangun-Hyong (9. Technik) aus einer Lehrschrift von H. J. Sobota

(Internetquelle: www.taekwondo-schwerte.de)

 

 

 

 

Zur Untersuchungsmethodik

 

Ich möchte mit diesem Aufsatz einen Beitrag dazu leisten, dass auch im Bereich der Kampfkunst ein breiterer wissenschaftlicher Diskurs entsteht, so dass ermutigende Ergebnisse abfallen und eine fruchtbare, sachliche Diskussion geführt werden kann.

 

„Wissenschaftlich“ vor allem deswegen, weil alle Behauptungen argumentativ dargelegt werden, so dass die hinführenden Gedankengänge ggf. widerlegbar sind. Im Bereich der Kampfkunst ist es meiner Erfahrung nach bisher häufig üblich, unbewiesene Behauptungen als Fakten auszugeben und sich jeder Kritik zu entziehen, indem man dem Leser und Schüler keine Gelegenheit gibt, die aufgestellten Behauptungen durch den eigenen Menschenverstand nachvollziehen zu können. Es wird vielfach auf Glauben gesetzt, Zweifel und Kritik sind – vor allem seitens vieler Kampfkunstlehrer – unerwünscht.

 

Infolgedessen mache ich hier an mehreren Stellen darauf aufmerksam, welche Fragen noch offen sind oder wo ich Thesen aufstelle, die weiterer Belege bedürfen.

 

Ich habe im Kunstunterricht die sinnvolle Methode gelernt, dass man ein Bild zunächst möglichst vollständig beschreiben muss, ehe man es interpretiert. Im Sprachunterricht habe ich das gleiche für Texte gelernt. Für Bewegungen sollte diese Vorgehensweise wohl auch gelten und in den Naturwissenschaften ist es ebenfalls so: Die Beobachtung eines Experiments und seine Auswertung sind scharf voneinander zu trennen.

 

Dabei ist wichtig, dass man nie alles beschreiben kann; man muss sich immer auf das beschränken, was wichtig erscheint. Ich habe jedoch versucht, den Rahmen möglichst weit zu stecken und auch Dinge zu beschreiben, die mir momentan noch unwichtig erscheinen, um nichts zu übersehen.

 

Anders als in Schule und Hochschule gelernt, schreibe ich bewusst in der ersten Person.

 

 

Definitionen:

 

Da ein solches Foto zweidimensional ist, gibt es nur links, rechts, oben und unten. Ich verwende diese Begriffe in der Bildbeschreibung vom Betrachter aus gesehen, in der Interpretation jedoch aus der Perspektive des ausführenden Menschen.

Da man aufgrund der eigenen Erfahrung aber oft auch erkennen kann, wie sich Gegenstände in der eigentlich nicht abgebildeten Dimension der Tiefe orientieren, verwende ich auch die Begriffe „vorne“ und „hinten“, wobei ein Punkt im Bild hinter einem anderen ist, wenn er weiter vom Fotografen entfernt ist als der vordere.

 

Vorbemerkung zu Winkeln:

 

Ich habe hier oft versucht, abgebildete Winkel zu schätzen. Diese Schätzungen sind allerdings für mich sehr schwierig. Als Ingenieur bin ich es gewohnt, Messfehler einzubeziehen; ich habe daher die Winkel in Intervallen angegeben, die den tatsächlichen Winkel aus meiner subjektiven Sicht heraus sehr wahrscheinlich mit einschließen. Mehr als 20% Fehler schienen mir allerdings zu grob, daher sollten die Intervalle nicht größer als 70° werden.  (72/360 = 1/5). Im Nachhinein stellte ich dann fest, dass sie sogar um einiges kleiner geworden sind.

 

 

Hauptteil

 

1.) Bildbeschreibung

 

Das Foto (auch im Original eine schwarz-weiß-Aufnahme) zeigt zwei unterschiedliche Karateka. Beide sind Männer ähnlichen Körperbaus und ähnlicher Größe, welche aufgrund fehlender Maßstabsbezüge nicht schätzbar ist. Sie nehmen unterschiedlichen Körperhaltungen ein, tragen aber ähnliche Karateanzüge (Gi).

 

Während die Füße des linken Mannes in einem Abstand von etwas mehr als einer Schulterbreite (Ferse zu Ferse) voneinander stehen, befinden sie sich beim rechten etwa 2 Schulterbreiten voneinander entfernt.

 

Links ist die rechte Ferse angehoben, rechts sind beide Fersen fest auf dem Boden. In beiden Stellungen zeigt der rechte Fuß gerade nach rechts.

 

Der linke Fuß ist beim rechten Karateka etwas weiter nach links gedreht als beim linken (etwa 20-30° Unterschied bezogen auf den ersten Fußrückenknochen; der Winkel ist für mich sehr schwierig zu schätzen.)

 

Das linke Knie ist beim Linken Mann ausgestreckt, so weit man es aufgrund der weiten Hose sehen kann; rechts ist es in einem Winkel von etwa 110-150° (wiederum sehr schwierig zu schätzen) angewinkelt.

 

Die Wirbelsäule ist in beiden Körperhaltungen sehr aufrecht. Beim linken Karateka steht sie nur wenig rechts vom linken Bein, beim rechten befindet sie sich auf etwa 5/16 bis 7/16[2] der Strecke zwischen beiden Füßen[3].

 

Das Becken ist links ein wenig nach hinten (horizontal) gedreht, rechts dagegen befindet es sich nahezu vollständig parallel zur Linie zwischen beiden Fersen. Beim linken Mann ist die linke Seite des Beckens außerdem leicht höher als die rechte, während der rechte Mann beide Beckenhälften auf der gleichen Höhe hält.

 

Die Haltung des Torsos ist bei beiden Karateka, wie bereits beschrieben, aufrecht. Allerdings ist der Schultergürtel links genau wie das Becken horizontal leicht gedreht. Ebenfalls ist die linke Schulter gegenüber der rechten höher als im rechten Bild, wo sich beide Schultern fast auf gleicher Höhe befinden. Allerdings ist die Sicht auf die rechte Schulter durch den rechten Arm behindert, so dass ich keine sichere Aussage treffen kann.

 

Der linke Oberarm befindet sich beim linken Mann so vor dem Kopf, dass etwa die linke Hälfte des Kopfes verdeckt ist. Im rechten Bild ist dagegen nur etwa ein Viertel oder weniger verdeckt. Der Oberarm ist links im Schultergelenk so gedreht, dass der Unterarm in einem Winkel von etwa 60-80° nach hinten zeigt.

Rechts wird der Unterarm jedoch fast parallel zur Linie zwischen beiden Fersen gehalten, so dass der Betrachter frontal darauf sehen kann. Links ist der Unterarm fast parallel zum Boden, rechts zeigt er leicht nach oben (etwa 20°). Die Faust ist bei beiden Männern geschlossen und zeigt mit dem Daumen nach unten.

 

Der vordere, linke Arm ist bei beiden Karateka in Schulter- und Ellenbogen ähnlich angewinkelt. Rechts zeigt der Handrücken jedoch vom Betrachter weg (nach hinten), links zeigt er nach rechts.

Beide Karateka schauen genau gerade nach rechts. Der rechte Mann muss dazu aufgrund seiner Schulterhaltung über die rechte Schulter sehen.

 

2.) Auswertung/ Interpretation:

 

Hier wechsle ich die Richtungsbezeichnungen und gehe von der Sicht des Karateka aus. Somit wird z.B. der rechte Fuß zum linken.

 

Folgende Ergebnisse der Bildbeschreibung halte ich für die relevantesten:

 

  1. Die Stellung des rechten Mannes ist sehr viel tiefer und länger, etwa um den Faktor 2.
  1. Der rechte Arm des rechten Mannes ist zur Seite verschoben.
  1. Die linke Faust des rechten Mannes hat sich um 90° (ziemlich exakt) gedreht.

 

Die Information aus dem Untertitel des Fotos besagt, dass die Stellung und Armhaltung des linken Karateka die ursprüngliche, ältere Form ist. Es gibt keine Information darüber, was die Armhaltungen darstellen sollen und es sind nur die Endpositionen erkennbar.

 

Aufgrund der fehlenden Informationen über den Weg der Arme in die Endposition treffe ich zunächst Annahmen darüber.

 

Der linke Mann führt mit dem oberen Arm (seinem rechten) einen Block gegen einen Angriff zum Kopf aus. Vermutlich hat er den Arm von unten nach oben bewegt, aber auch eine leicht seitliche Bewegung wäre denkbar. Der Angriff muss aufgrund der Armhaltung von vorne geschehen. In dieser Höhe kann diese Technik nicht als Schlag mit dem Unterarm eingesetzt werden, wenn der Gegner von vorne angreift (die vordere Faust könnte dann nicht dort sein, wo sie ist).

 

Ein Schlag zur linken Seite liegt auch im Bereich des Denkbaren, erscheint aber wenig sinnvoll. In diesem Fall müsste ein Gegner links stehen und so groß sein, dass er mit der oberen Faust getroffen werden kann. Die linke Faust würde dann, ebenfalls nach links geschlagen, mit der Daumenseite irgendwo im Schulterbereich treffen. Auch wenn eine solche Technik in einer sehr speziellen Situation möglich und sinnvoll ist, nehme ich nicht an, dass sie in eine Kata eingebaut wurde. Man begegnet einem Gegner möglichst von vorne und nicht mit seiner eigenen geschlossenen Seite. Aber ich kenne die Kata nicht im Zusammenhang und will deshalb alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um keinen Ansatz zu übersehen.

 

Ein Block nach oben gegen einen frontal stehenden Gegner macht auch deshalb Sinn, weil dann die vordere Faust von unten nach oben einen Kinnhaken ausführen kann. Es ist dann eine Abwehrtechnik mit gleichzeitigem Konter. Eine effektive Taktik, welche mir daher plausibel scheint.

Einige praktische Versuche bestätigten mir die Anwendbarkeit dieser Möglichkeit.

 

Hans-Jürgen Sobota hat die Option eröffnet, dass die linke Hand eine Greifbewegung durchführt. In diesem Fall müsste die Hand jedoch zunächst mit dem Handrücken zum Karateka stehen und danach entsprechend bewegt werden.

Ich hoffe auch hier auf weitere Klärung durch die vorausgehenden und besonders die nachfolgenden Techniken in der entsprechenden Kata „Pinan 1“.

 

Wie kommt es nun, dass der rechte Karateka tiefer steht und warum sind seine Armhaltungen anders?

 

Auf den ersten Teil der Frage kann ich nur mit Spekulationen antworten. Vielleicht wollten die Japaner die Beinmuskeln mehr stärken oder sie fanden es einfach schöner so.

 

Die Armhaltung des rechten Arms ist jedoch einfach zu erklären, wenn man davon ausgeht, dass sie eine Folge der Verlängerung der Stellung darstellt, denn in dieser Stellung muss man sich sehr anstrengen, um den rechten Arm so über seinem Kopf zu halten wie der linke Karateka, es ist sogar fast unmöglich (Überprüfung durch Ausprobieren). Insofern bleibt keine andere Wahl, als den Arm rechts oben neben dem Kopf zu halten.

 

Interessanterweise haben meine Winkelschätzungen (die ich bei der Beschreibung völlig „blind“ bzw. „kurzsichtig“ gemacht habe, ohne auf eventuelle Zusammenhänge zu achten) folgendes ergeben:

 

-        Der hintere Fuß ist 20-30° gedreht (linker Mann zum rechten Mann)

-        Becken und Schultern sind ebenfalls leicht gedreht. 20-30° liegen auch hier im Bereich des Möglichen, v.a. wenn man selbst beide Stellungen einnimmt und es ausprobiert.

-        Der obere Arm ist um etwa 60-70° gedreht.

 

Die Drehung des Arms ist also um 30 bis 50° stärker als die Drehungen von Becken und Schultern. Rechts wurde der Arm also weiter aus seiner ursprünglichen Position herausgedreht, als anatomisch bzw. biomechanisch nötig. (Die Verlängerung der Fußstellung macht die Drehung des Beckens nötig, welche eine Drehung des Schultergürtels nach sich zieht, woraufhin sich dann die Armstellung ändern muss.)

 

Die vordere Faust ist um 90° gedreht. In dieser Form wird meistens ein Schlag zur linken Seite ausgeführt. Es wäre hier wichtig zu sehen, auf welchem Weg die Faust ihre Endposition erreicht. Wird sie von unten nach oben geführt, wäre nicht zur erklären, warum sie mit dem Handrücken nach links zeigt, denn ein Kinnhaken macht so keinen Sinn, ebenso wenig macht es allerdings ein Schlag zur Seite.

 

Man muss schon ein sehr ungewöhnliches Szenario erfinden, um diese Technik plausibel erscheinen zu lassen. Es könnte so aussehen:

 

Ein Gegner steht rechts und wird entweder abgewehrt (ohne dass man sich um Eigensicherung kümmert) oder mit dem Unterarm unters Kinn geschlagen.

Dann wäre allerdings ein Kinnhaken besser angebracht.

Ein anderer Gegner steht links so, dass man ihn mit einem Faustrückenschlag[4] treffen kann. So fahrlässig wird sich allerdings selbst ein sehr schlechter Gegner nicht verhalten.

 

Um ein Szenario zu kreieren, müsste man allerdings noch sehen, in welchem Zusammenhang die Technik angewendet wird.

 

Es ist auch möglich, anzunehmen, dass zuerst die Armtechnik geändert wurde und sich dann die Stellung verlängerte, oder dass beides parallel geschah. Wie dem auch sei, das Ergebnis ist das gleiche.

 

Die Technikveränderung ist meiner Meinung nach zu erklären, wenn man einen Informationsverlust bei der Techniküberlieferung annimmt: Wenn Menschen den Sinn einer Information nicht verstehen, geben sie sie manchmal verändert weiter. Der nächste kann keinen Sinn mehr entdecken, weil bereits hier ein wichtiges Detail fehlt, um die Verschlüsselung zu verstehen. Verschlüsselt sind die Techniken alleine schon deswegen, weil die Gegner nicht physisch vorhanden sind.

 

Hans-Jürgen Sobota hat diese Art des Informationsverlustes in den Kampfkünsten das „Stillepostspiel der Kampfkünste“ genannt.

 

Im Stillepostspiel sagt man einem Mitspieler eine sinnvolle Nachricht (ein Wort oder einen Satz) geflüstert ins Ohr. Dieser sagt einem anderen Mitspieler weiter, was er verstanden hat und immer so weiter, bis die Botschaft den letzten Spieler erreicht. Dieser sagt dann, was er verstanden hat. Häufig kommt dabei eine sinnlose oder sinnveränderte Botschaft heraus.

 

Auch die Evolutionslehre kann einen Beitrag zur Erklärung leisten. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie Information biologisch gespeichert, weitergegeben und verändert wird. Hierbei nimmt sie an, dass sinnvolle Informationen durch Selektion überleben und vermehrt werden.[5] Wenn ein Merkmal eines Lebewesen (sein „Phänotyp“) aufgrund veränderter Umweltbedingungen nicht mehr wichtig ist, geht die genetisch gespeicherte Information über das jeweilige Phän allmählich verloren und man spricht von „Degeneration“[6].

 

Ein Beispiel: Der Grottenolm ist pigmentlos und blind. Augen sind aber noch rudimentär vorhanden. Seine Vorfahren waren vermutlich gefärbt und sehend, aber als er anfing, dunkle Domizile zu bewohnen, waren sowohl Farbe als auch der Sehsinn nicht mehr nötig. Der genetische Code degenerierte und obwohl die Augen keine Funktion mehr haben, sind sie noch vorhanden.

 

 

Rudimente lassen sich bei vielen Lebewesen finden: Der Blinddarm beim Menschen, Zehen bei Schlangen usw.

 

Meine These ist: In den Kampfkünsten degenerieren Techniken auch, wenn sie von denen, die sie üben, nicht im ernsten Kampf gegen echte Gegner (und nicht nur gegen Sparringspartner) verwendet werden und somit kein Selektionsdruck mehr herrscht.

Sie werden dann verspielter und sind weniger auf Effizienz ausgerichtet. Sparring und Sportliche Wettkämpfe können diesem Degenerationstrend aber vermutlich in gewissen Grenzen entgegen wirken. Allerdings wird hier ein Selektionsdruck ausgeübt, der in eine andere Richtung weist als es durch ernste Kämpfe der Fall ist.

 

Der seitlich neben dem Kopf ausgeführte Block des Shotokan-Karatekas wäre, falls sich meine These bestätigen sollte, ein solches Rudiment, das man „Technikrudiment“ nennen könnte.

 

Ausblick und Vorschläge für Anschlussuntersuchungen

 

Für eine weitere Klärung ist es notwendig, die in Abb. 1 gezeigte Technik in Bewegung und im Zusammenhang der beiden Katas zu sehen oder wenigstens eine Bilderserie mit den wichtigsten Etappen der Bewegung zur Verfügung zu haben.

 

Im Anschluss kann dann versucht werden, einen Bogen von der Shotokan-Variante zur Taekwondo-Variante zu schlagen.

 

Jens Ascherl warf die Frage auf, ob im Okinawa-Te beide Technikvarianten (welche in Abb. 1 gezeigt werden) existieren. Falls dies der Fall sein sollte, wäre die Klärung der Frage, wozu Ssang bakkat palmok makki in der Anwendung dient bzw. wie er sich entwickelt hat, um einiges schwieriger.

 

Literatur

Hier aufgelistet sind alle Texte, die Thesen, Fakten, Behauptungen oder Abhandlungen enthalten, welche ich nachgeschlagen habe oder bei denen es aufgrund der Komplexität oder Umstrittenheit des Themas nötig ist, den jeweiligen Gedankengang ausführlich überprüfen zu können.

 

Ich habe damit darauf verzichtet, die Literaturliste unnötig aufzublähen, denn vieles Wissen, das ich hier benutzt habe, ist allgemein hin akzeptiert und bekannt (z.B. die Erklärungen zur Evolutionslehre oder dem Stillepost Spiel) und können in vielen Büchern nachgeschlagen werden.

 

Schema:

Autor „Titel“ (Jahr, weitere Anmerkung)

-        Jamal Measara  „Karate Kata No Rekishi“ (2002)

-        Gu Hyosung „Aggression, Nationalismus und Kampfsport in Ostasien“ (1993/94, Diplomarbeit am Lehrstuhl für Sportwissenschaft Universität Hamburg; http://www.argedon.de/akka/t_lehre/his_k.htm)

-        Dakin Burdick, “People and Events of T’aekwondo’s Formative Years” (1996, dt. Übersetzung von Thomas Kuklinski-Rhee, 2005: http://www.tom-kuki-rhee.de/kuki-won/Burdick-TKD_web.html)

-        Choi Hong-hi, „Taekwon-Do“ (1977)

 

Nachsatz H.J.Sobota beim Layout der Lehrschrift von Herrn Rubbeling für das Internet

Ich denke das wir bei der Deutung von Techniken in Bilddokumenten grundsätzlich mindestens darauf angewiesen sind die Bewegung oder das Bild vorher und die Bewegung oder das Bild nachher zu kennen. Lehrreich für mich ist daß die Dokumentation durch die stilisierte Bewegung zu gravierenden Kopierfehlern führt……daraus schließe ich daß die asiatische Lehrmethode “Stehle mit den Augen” nicht das Maß der Dinge ist. Gott gab uns den Mund nicht nur zum essen J Weitere Interpretationen der von Herrn Rubbeling analysiertenTechnik finden Sie auf diesen Internet-Seiten unter Hyong und da bei BAH04.htm

 

KKuT15, archiviert von Hans Jürgen Sobota

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Stand 10.05.2006    © Hendrik Rubbeling

 

 



[1] Ssang = doppelt, verdoppelt oder vielleicht auch gleichzeitig; im Gegensatz dazu „Du Bon“ = zwei mal, zweifach

[2] Grob betrachtet und gerundet könnte man auch 1/3 als Wert annehmen. Hätte ich die Kästchen nur ein wenig größer oder kleiner gezeichnet, wären vielleicht exakt 5/15 oder 6/18 (= 1/3) herausgekommen.

[3] Um die relative Position der Wirbelsäule festzustellen, genügt hier ein einfaches Maßsystem, das ich durch die Kästchen in Abb.2 umgesetzt habe. Die Kästchen befinden sich nicht immer ganz exakt im gleichen Abstand zueinander, weil ich es mit der Software „Paint“ von Microsoft nicht ohne sehr großen Zeitaufwand besser bewerkstelligen konnte. Die Abweichungen betragen allerdings nur einige Pixel und sollten für die Interpretation unerheblich sein.

[4] Bzw. mit den Knöcheln.

[5] Dieser Mechanismus ist bezogen auf Mikroevolution ausreichend durch Experimente bewiesen worden, Makroevolution stützt sich aufgrund der Unmöglichkeit der Beobachtung auf weniger gesicherte, aber in der Fachwelt weithin, wenn nicht völlig akzeptierte Methoden. Derzeit wird Makroevolution nicht von Wissenschaftlern, wohl aber von meist US-amerikanischen Vertretern der pseudowissenschaftlichen „Intelligent Design Theorie“ angezweifelt.

[6] Interessanter Weise sind die beiden Techniken – evolutionsbiologisch ausgedrückt – genetisch nah verwand, denn zwischen den Änderungen liegen nur 1 bis 2 Kampfkünstler-Generationen. Der Phänotyp der beiden Techniken ist für diese kurze Zeitspanne aber schon recht stark verändert worden. Es wäre interessant zu klären, ob diese sprunghaften Veränderungen bei der Weitergabe bzw. Überlieferung von Bewegungsinformation häufiger vorkommen.