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KKuT15,
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die Schwarzgurte der
Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V. Zurück
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Buchlayout geeignet zum direkten Wandeln in doc; nicht extra für Web gestylt.
© Hendrik Rubbeling |
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Vorbereitender Aufsatz zur Aufklärung der Entstehung und Bedeutung der Taekwondo-Technik „Ssang Bakkat Palmok makki“ |
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von Hendrik Rubbeling |
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fertig gestellt am 1. Mai 2006 |
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Abb. 1:
Aus „Karate Kata No Rekishi“ von Jamal Measara, 2002, S. 78. Der Untertitel
lautet: „Alte und Moderne Techniken“,
links die ursprüngliche Form aus PINAN 1; rechts die japanische Form aus
HEIAN 2 |
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Abb. 2
zeigt Abb. 1, bearbeitet mit der Software „Paint“ von Microsoft, um die
Position der Wirbelsäule zu illustrieren. |
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Einleitung und Hintergrund dieses
Aufsatzes |
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Abbildung 1 ist – zusammen
mit der Erklärung, welche von beiden die ältere Position ist – meiner Meinung
nach sehr aufschlussreich, was die Bedeutung der Taekwon-Do Technik „ Ssang
bakkat palmok makki[1]“
(übersetzt: „Doppelter Block mit dem äußeren Unterarm“) angeht. |
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Diese Technik, welche nach
koreanischer Bezeichnung von Choi Hong Hi (einer der Begründer des Taekwondo)
einen doppelten Block darstellt, erregt häufig bei Taekwondoin die Frage,
wozu sie dienen könnte. Ein Anwendungssinn ist für viele, wenn nicht so gut
wie allen Taekwondo-Betreibenden, nicht ersichtlich. Ich kannte bisher
jedenfalls niemanden, der den Sinn schlüssig erklären konnte. In
Technikbüchern des Taekwondo sind ebenfalls keine plausiblen Erklärungen zu
finden, auch nicht im Buch „Taekwon-Do“ von Choi Hong-hi (1977), welches die
besagte Technik erstmals in einem Kontext des Taekwon-Do und zudem in einer
Taekwon-Do-Form (der „Tangun Hyong“)
beschreibt (S. 357). Dort
werden zwar zwei Anwendungsbeispiele vorgeschlagen, wobei allerdings einer
der beiden Arme (der seitlich neben dem Körper befindliche) völlig ohne
Funktion ist. Somit wäre eine andere Bewegung eventuell sogar funktioneller. |
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Besagte Technik ist in
Abb. 3 zu sehen. Ich habe mich an eine ausführliche Interpretation der Abb. 1
bzw. 2 gemacht, um eine Grundlage für die Klärung nach dem Sinn von Ssang
bakkat palmok makki zu schaffen. Daher trägt dieser Aufsatz das Attribut
„Vorbereitend“. |
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Diese Klärung könnte
mittels des Wissens um die Geschichte des Taekwondo möglich sein: Nach
derzeitigem Stand der Forschung ist Taekwondo in den späten 1940er bzw.
frühen 50er Jahren aus dem Shotokan Karate hervorgegangen, welches
seinerseits etwa 50 Jahre zuvor aus okinawanischen Stilen (Okinawa-Te)
entwickelt wurde. Siehe dazu u.a. Gu Hyosung, 1993/94 und Dakin Burdick, 1996. |
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Die Verbindung von Abb. 1
zu Abb. 3 ist in diesem Aufsatz noch nicht enthalten und muss noch in einem
fortführenden Text erarbeitet werden. |
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Abb.
3.: Ssang pakkat palmok makki / und Doppelblock zur Seite und nach oben mit den
Außenseiten der Unterarme aus der Tangun-Hyong (9. Technik) aus einer
Lehrschrift von H. J. Sobota (Internetquelle:
www.taekwondo-schwerte.de) |
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Zur Untersuchungsmethodik |
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Ich möchte mit diesem
Aufsatz einen Beitrag dazu leisten, dass
auch im Bereich der Kampfkunst ein breiterer wissenschaftlicher Diskurs
entsteht, so dass ermutigende Ergebnisse abfallen und eine fruchtbare,
sachliche Diskussion geführt werden kann. |
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„Wissenschaftlich“ vor
allem deswegen, weil alle Behauptungen argumentativ dargelegt werden, so dass
die hinführenden Gedankengänge ggf. widerlegbar sind. Im Bereich der
Kampfkunst ist es meiner Erfahrung nach bisher häufig üblich, unbewiesene
Behauptungen als Fakten auszugeben und sich jeder Kritik zu entziehen, indem
man dem Leser und Schüler keine Gelegenheit gibt, die aufgestellten
Behauptungen durch den eigenen Menschenverstand nachvollziehen zu können. Es
wird vielfach auf Glauben gesetzt, Zweifel und Kritik sind – vor allem
seitens vieler Kampfkunstlehrer – unerwünscht. |
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Infolgedessen mache ich
hier an mehreren Stellen darauf aufmerksam, welche Fragen noch offen sind
oder wo ich Thesen aufstelle, die weiterer Belege bedürfen. |
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Ich habe im
Kunstunterricht die sinnvolle Methode gelernt, dass man ein Bild zunächst
möglichst vollständig beschreiben muss, ehe man es interpretiert. Im
Sprachunterricht habe ich das gleiche für Texte gelernt. Für Bewegungen
sollte diese Vorgehensweise wohl auch gelten und in den Naturwissenschaften
ist es ebenfalls so: Die Beobachtung eines Experiments und seine Auswertung
sind scharf voneinander zu trennen. |
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Dabei ist wichtig, dass
man nie alles beschreiben kann; man muss sich immer auf das beschränken, was
wichtig erscheint. Ich habe jedoch versucht, den Rahmen möglichst weit zu
stecken und auch Dinge zu beschreiben, die mir momentan noch unwichtig
erscheinen, um nichts zu übersehen. |
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Anders als in Schule und Hochschule
gelernt, schreibe ich bewusst in der ersten Person. |
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Definitionen: |
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Da ein solches Foto
zweidimensional ist, gibt es nur links,
rechts, oben und unten. Ich verwende diese Begriffe in der Bildbeschreibung
vom Betrachter aus gesehen, in der Interpretation jedoch aus der Perspektive
des ausführenden Menschen. |
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Da man aufgrund der
eigenen Erfahrung aber oft auch erkennen kann, wie sich Gegenstände in der eigentlich
nicht abgebildeten Dimension der Tiefe orientieren, verwende ich auch die
Begriffe „vorne“ und „hinten“,
wobei ein Punkt im Bild hinter einem anderen ist, wenn er weiter vom
Fotografen entfernt ist als der vordere. |
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Vorbemerkung zu Winkeln: |
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Ich habe hier oft
versucht, abgebildete Winkel zu schätzen. Diese Schätzungen sind allerdings
für mich sehr schwierig. Als Ingenieur bin ich es gewohnt, Messfehler
einzubeziehen; ich habe daher die Winkel in Intervallen angegeben, die den
tatsächlichen Winkel aus meiner subjektiven Sicht heraus sehr wahrscheinlich
mit einschließen. Mehr als 20% Fehler schienen mir allerdings zu grob, daher
sollten die Intervalle nicht größer als 70° werden. (72/360 = 1/5). Im Nachhinein stellte ich dann fest, dass sie
sogar um einiges kleiner geworden sind. |
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Hauptteil |
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1.) Bildbeschreibung |
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Das Foto (auch im Original
eine schwarz-weiß-Aufnahme) zeigt zwei unterschiedliche Karateka. Beide sind Männer
ähnlichen Körperbaus und ähnlicher Größe, welche aufgrund fehlender
Maßstabsbezüge nicht schätzbar ist. Sie nehmen unterschiedlichen
Körperhaltungen ein, tragen aber ähnliche Karateanzüge (Gi). |
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Während die Füße des
linken Mannes in einem Abstand von etwas mehr als einer Schulterbreite (Ferse
zu Ferse) voneinander stehen, befinden sie sich beim rechten etwa 2
Schulterbreiten voneinander entfernt. |
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Links ist die rechte Ferse
angehoben, rechts sind beide Fersen fest auf dem Boden. In beiden Stellungen
zeigt der rechte Fuß gerade nach rechts. |
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Der linke Fuß ist beim
rechten Karateka etwas weiter nach links gedreht als beim linken (etwa 20-30°
Unterschied bezogen auf den ersten Fußrückenknochen; der Winkel ist für mich
sehr schwierig zu schätzen.) |
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Das linke Knie ist beim
Linken Mann ausgestreckt, so weit man es aufgrund der weiten Hose sehen kann;
rechts ist es in einem Winkel von etwa 110-150° (wiederum sehr schwierig zu
schätzen) angewinkelt. |
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Die Wirbelsäule ist in
beiden Körperhaltungen sehr aufrecht. Beim linken Karateka steht sie nur
wenig rechts vom linken Bein, beim rechten befindet sie sich auf etwa 5/16
bis 7/16[2]
der Strecke zwischen beiden Füßen[3]. |
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Das Becken ist links ein
wenig nach hinten (horizontal) gedreht, rechts dagegen befindet es sich
nahezu vollständig parallel zur Linie zwischen beiden Fersen. Beim linken
Mann ist die linke Seite des Beckens außerdem leicht höher als die rechte,
während der rechte Mann beide Beckenhälften auf der gleichen Höhe hält. |
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Die Haltung des Torsos ist
bei beiden Karateka, wie bereits beschrieben, aufrecht. Allerdings ist der
Schultergürtel links genau wie das Becken horizontal leicht gedreht.
Ebenfalls ist die linke Schulter gegenüber der rechten höher als im rechten
Bild, wo sich beide Schultern fast auf gleicher Höhe befinden. Allerdings ist
die Sicht auf die rechte Schulter durch den rechten Arm behindert, so dass
ich keine sichere Aussage treffen kann. |
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Der linke Oberarm befindet
sich beim linken Mann so vor dem Kopf, dass etwa die linke Hälfte des Kopfes
verdeckt ist. Im rechten Bild ist dagegen nur etwa ein Viertel oder weniger verdeckt.
Der Oberarm ist links im Schultergelenk so gedreht, dass der Unterarm in
einem Winkel von etwa 60-80° nach hinten zeigt. Rechts wird der Unterarm
jedoch fast parallel zur Linie zwischen beiden Fersen gehalten, so dass der
Betrachter frontal darauf sehen kann. Links ist der Unterarm fast parallel
zum Boden, rechts zeigt er leicht nach oben (etwa 20°). Die Faust ist bei
beiden Männern geschlossen und zeigt mit dem Daumen nach unten. |
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Der vordere, linke Arm ist
bei beiden Karateka in Schulter- und Ellenbogen ähnlich angewinkelt. Rechts
zeigt der Handrücken jedoch vom Betrachter weg (nach hinten), links zeigt er
nach rechts. |
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Beide Karateka schauen
genau gerade nach rechts. Der rechte Mann muss dazu aufgrund seiner
Schulterhaltung über die rechte Schulter sehen. |
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2.) Auswertung/ Interpretation: |
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Hier wechsle ich die Richtungsbezeichnungen und
gehe von der Sicht des Karateka aus. Somit wird z.B. der rechte Fuß zum
linken. |
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Folgende Ergebnisse der Bildbeschreibung
halte ich für die relevantesten: |
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Die Information aus dem
Untertitel des Fotos besagt, dass die Stellung und Armhaltung des linken
Karateka die ursprüngliche, ältere Form ist. Es gibt keine Information
darüber, was die Armhaltungen darstellen sollen und es sind nur die
Endpositionen erkennbar. |
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Aufgrund der fehlenden
Informationen über den Weg der Arme in die Endposition treffe ich zunächst
Annahmen darüber. |
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Der linke Mann führt mit dem
oberen Arm (seinem rechten) einen Block gegen einen Angriff zum Kopf aus.
Vermutlich hat er den Arm von unten nach oben bewegt, aber auch eine leicht
seitliche Bewegung wäre denkbar. Der Angriff muss aufgrund der Armhaltung von
vorne geschehen. In dieser Höhe kann diese Technik nicht als Schlag mit dem
Unterarm eingesetzt werden, wenn der Gegner von vorne angreift (die vordere
Faust könnte dann nicht dort sein, wo sie ist). |
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Ein Schlag zur linken
Seite liegt auch im Bereich des Denkbaren, erscheint aber wenig sinnvoll. In
diesem Fall müsste ein Gegner links stehen und so groß sein, dass er mit der
oberen Faust getroffen werden kann. Die linke Faust würde dann, ebenfalls
nach links geschlagen, mit der Daumenseite irgendwo im Schulterbereich treffen.
Auch wenn eine solche Technik in einer sehr speziellen Situation möglich und
sinnvoll ist, nehme ich nicht an, dass sie in eine Kata eingebaut wurde. Man
begegnet einem Gegner möglichst von vorne und nicht mit seiner eigenen
geschlossenen Seite. Aber ich kenne die Kata nicht im Zusammenhang und will
deshalb alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, um keinen Ansatz zu übersehen. |
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Ein Block nach oben gegen
einen frontal stehenden Gegner macht auch deshalb Sinn, weil dann die vordere
Faust von unten nach oben einen Kinnhaken ausführen kann. Es ist dann eine
Abwehrtechnik mit gleichzeitigem Konter. Eine effektive Taktik, welche mir
daher plausibel scheint. |
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Einige praktische Versuche
bestätigten mir die Anwendbarkeit dieser Möglichkeit. |
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Hans-Jürgen Sobota hat die
Option eröffnet, dass die linke Hand eine Greifbewegung durchführt. In diesem
Fall müsste die Hand jedoch zunächst mit dem Handrücken zum Karateka stehen
und danach entsprechend bewegt werden. Ich hoffe auch hier auf weitere
Klärung durch die vorausgehenden und besonders die nachfolgenden Techniken in
der entsprechenden Kata „Pinan 1“. |
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Wie kommt es nun, dass der
rechte Karateka tiefer steht und warum sind seine Armhaltungen anders? |
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Auf den ersten Teil der
Frage kann ich nur mit Spekulationen antworten. Vielleicht wollten die
Japaner die Beinmuskeln mehr stärken oder sie fanden es einfach schöner so. |
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Die Armhaltung des rechten
Arms ist jedoch einfach zu erklären, wenn man davon ausgeht, dass sie eine
Folge der Verlängerung der Stellung darstellt, denn in dieser Stellung muss
man sich sehr anstrengen, um den rechten Arm so über seinem Kopf zu halten
wie der linke Karateka, es ist sogar fast unmöglich (Überprüfung durch
Ausprobieren). Insofern bleibt keine andere Wahl, als den Arm rechts oben
neben dem Kopf zu halten. |
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Interessanterweise haben
meine Winkelschätzungen (die ich bei der Beschreibung völlig „blind“ bzw.
„kurzsichtig“ gemacht habe, ohne auf eventuelle Zusammenhänge zu achten)
folgendes ergeben: |
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Der hintere Fuß ist
20-30° gedreht (linker Mann zum rechten Mann) |
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Becken und Schultern
sind ebenfalls leicht gedreht. 20-30° liegen auch hier im Bereich des
Möglichen, v.a. wenn man selbst beide Stellungen einnimmt und es ausprobiert. |
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Der obere Arm ist um
etwa 60-70° gedreht. |
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Die Drehung des Arms ist
also um 30 bis 50° stärker als die Drehungen von Becken und Schultern. Rechts
wurde der Arm also weiter aus seiner ursprünglichen Position herausgedreht, als
anatomisch bzw. biomechanisch nötig. (Die Verlängerung der Fußstellung macht
die Drehung des Beckens nötig, welche eine Drehung des Schultergürtels nach
sich zieht, woraufhin sich dann die Armstellung ändern muss.) |
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Die vordere Faust ist um
90° gedreht. In dieser Form wird meistens ein Schlag zur linken Seite
ausgeführt. Es wäre hier wichtig zu sehen, auf welchem Weg die Faust ihre
Endposition erreicht. Wird sie von unten nach oben geführt, wäre nicht zur
erklären, warum sie mit dem Handrücken nach links zeigt, denn ein Kinnhaken
macht so keinen Sinn, ebenso wenig macht es allerdings ein Schlag zur Seite. |
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Man muss schon ein sehr
ungewöhnliches Szenario erfinden, um diese Technik plausibel erscheinen zu
lassen. Es könnte so aussehen: |
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Ein Gegner steht rechts
und wird entweder abgewehrt (ohne dass man sich um Eigensicherung kümmert)
oder mit dem Unterarm unters Kinn geschlagen. Dann wäre allerdings ein
Kinnhaken besser angebracht. Ein anderer Gegner steht
links so, dass man ihn mit einem Faustrückenschlag[4]
treffen kann. So fahrlässig wird sich allerdings selbst ein sehr schlechter
Gegner nicht verhalten. |
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Um ein Szenario zu
kreieren, müsste man allerdings noch sehen, in welchem Zusammenhang die
Technik angewendet wird. |
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Es ist auch möglich,
anzunehmen, dass zuerst die Armtechnik geändert wurde und sich dann die
Stellung verlängerte, oder dass beides parallel geschah. Wie dem auch sei,
das Ergebnis ist das gleiche. |
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Die Technikveränderung ist
meiner Meinung nach zu erklären, wenn man einen Informationsverlust bei der
Techniküberlieferung annimmt: Wenn Menschen den Sinn einer Information nicht
verstehen, geben sie sie manchmal verändert weiter. Der nächste kann keinen
Sinn mehr entdecken, weil bereits hier ein wichtiges Detail fehlt, um die
Verschlüsselung zu verstehen. Verschlüsselt sind die Techniken alleine schon
deswegen, weil die Gegner nicht physisch vorhanden sind. |
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Hans-Jürgen Sobota hat
diese Art des Informationsverlustes in den Kampfkünsten das „Stillepostspiel
der Kampfkünste“ genannt. |
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Im Stillepostspiel sagt
man einem Mitspieler eine sinnvolle Nachricht (ein Wort oder einen Satz)
geflüstert ins Ohr. Dieser sagt einem anderen Mitspieler weiter, was er verstanden
hat und immer so weiter, bis die Botschaft den letzten Spieler erreicht.
Dieser sagt dann, was er verstanden hat. Häufig kommt dabei eine sinnlose
oder sinnveränderte Botschaft heraus. |
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Auch die Evolutionslehre kann
einen Beitrag zur Erklärung leisten. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie
Information biologisch gespeichert, weitergegeben und verändert wird. Hierbei
nimmt sie an, dass sinnvolle Informationen durch Selektion überleben und
vermehrt werden.[5] Wenn ein
Merkmal eines Lebewesen (sein „Phänotyp“) aufgrund veränderter
Umweltbedingungen nicht mehr wichtig ist, geht die genetisch gespeicherte
Information über das jeweilige Phän allmählich verloren und man spricht von
„Degeneration“[6]. |
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Ein Beispiel: Der
Grottenolm ist pigmentlos und blind. Augen sind aber noch rudimentär
vorhanden. Seine Vorfahren waren vermutlich gefärbt und sehend, aber als er
anfing, dunkle Domizile zu bewohnen, waren sowohl Farbe als auch der Sehsinn
nicht mehr nötig. Der genetische Code degenerierte und obwohl die Augen keine
Funktion mehr haben, sind sie noch vorhanden. |
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Rudimente lassen sich bei
vielen Lebewesen finden: Der Blinddarm beim Menschen, Zehen bei Schlangen
usw. |
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Meine These ist: In den Kampfkünsten
degenerieren Techniken auch, wenn sie von denen, die sie üben, nicht im
ernsten Kampf gegen echte Gegner (und nicht nur gegen Sparringspartner)
verwendet werden und somit kein Selektionsdruck mehr herrscht. Sie werden dann
verspielter und sind weniger auf Effizienz ausgerichtet. Sparring und
Sportliche Wettkämpfe können diesem Degenerationstrend aber vermutlich in
gewissen Grenzen entgegen wirken. Allerdings wird hier ein Selektionsdruck
ausgeübt, der in eine andere Richtung weist als es durch ernste Kämpfe der
Fall ist. |
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Der seitlich neben dem
Kopf ausgeführte Block des Shotokan-Karatekas wäre, falls sich meine These
bestätigen sollte, ein solches Rudiment, das man „Technikrudiment“ nennen
könnte. |
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Ausblick und Vorschläge für Anschlussuntersuchungen |
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Für eine weitere Klärung
ist es notwendig, die in Abb. 1 gezeigte Technik in Bewegung und im
Zusammenhang der beiden Katas zu sehen oder wenigstens eine Bilderserie mit
den wichtigsten Etappen der Bewegung zur Verfügung zu haben. |
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Im Anschluss kann dann
versucht werden, einen Bogen von der Shotokan-Variante zur Taekwondo-Variante
zu schlagen. |
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Jens Ascherl warf die
Frage auf, ob im Okinawa-Te beide Technikvarianten (welche in Abb. 1 gezeigt
werden) existieren. Falls dies der Fall sein sollte, wäre die Klärung der
Frage, wozu Ssang bakkat palmok makki in der Anwendung dient bzw. wie er sich
entwickelt hat, um einiges schwieriger. |
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Literatur |
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Hier aufgelistet sind alle Texte, die Thesen, Fakten,
Behauptungen oder Abhandlungen enthalten, welche ich nachgeschlagen habe oder
bei denen es aufgrund der Komplexität oder Umstrittenheit des Themas nötig
ist, den jeweiligen Gedankengang ausführlich überprüfen zu können. |
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Ich habe damit darauf
verzichtet, die Literaturliste unnötig aufzublähen, denn vieles Wissen, das
ich hier benutzt habe, ist allgemein hin akzeptiert und bekannt (z.B. die
Erklärungen zur Evolutionslehre oder dem Stillepost Spiel) und können in
vielen Büchern nachgeschlagen werden. |
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Schema: |
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Autor
„Titel“ (Jahr, weitere Anmerkung) |
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Jamal Measara „Karate Kata No Rekishi“
(2002) |
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Gu Hyosung
„Aggression, Nationalismus und Kampfsport in Ostasien“ (1993/94, Diplomarbeit
am Lehrstuhl für Sportwissenschaft Universität Hamburg; http://www.argedon.de/akka/t_lehre/his_k.htm) |
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Dakin Burdick, “People and
Events of T’aekwondo’s Formative Years” (1996, dt. Übersetzung von Thomas Kuklinski-Rhee, 2005: http://www.tom-kuki-rhee.de/kuki-won/Burdick-TKD_web.html) |
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Choi Hong-hi, „Taekwon-Do“
(1977) |
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Nachsatz H.J.Sobota beim Layout der
Lehrschrift von Herrn Rubbeling für das Internet Ich denke das wir bei der Deutung von
Techniken in Bilddokumenten grundsätzlich mindestens darauf angewiesen sind
die Bewegung oder das Bild vorher und die Bewegung oder das Bild nachher zu
kennen. Lehrreich für mich ist daß die Dokumentation durch die stilisierte
Bewegung zu gravierenden Kopierfehlern führt……daraus schließe ich daß die
asiatische Lehrmethode “Stehle mit den Augen” nicht das Maß der Dinge ist.
Gott gab uns den Mund nicht nur zum essen J Weitere Interpretationen der von Herrn Rubbeling analysiertenTechnik
finden Sie auf diesen Internet-Seiten unter Hyong und da bei BAH04.htm |
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KKuT15,
archiviert von Hans Jürgen Sobota für
die Schwarzgurte der
Taekwondo Sportgemeinschaft Schwerte e.V. Zurück
zu Lehrunterlagen für Schwarzgurte Achtung:
Buchlayout geeignet zum direkten Wandeln in doc; nicht extra für Web gestylt.
Stand 10.05.2006 ©
Hendrik Rubbeling |
[1] Ssang = doppelt, verdoppelt oder vielleicht auch gleichzeitig; im Gegensatz dazu „Du Bon“ = zwei mal, zweifach
[2] Grob betrachtet und gerundet könnte man auch 1/3 als Wert annehmen. Hätte ich die Kästchen nur ein wenig größer oder kleiner gezeichnet, wären vielleicht exakt 5/15 oder 6/18 (= 1/3) herausgekommen.
[3] Um die relative Position der Wirbelsäule festzustellen, genügt hier ein einfaches Maßsystem, das ich durch die Kästchen in Abb.2 umgesetzt habe. Die Kästchen befinden sich nicht immer ganz exakt im gleichen Abstand zueinander, weil ich es mit der Software „Paint“ von Microsoft nicht ohne sehr großen Zeitaufwand besser bewerkstelligen konnte. Die Abweichungen betragen allerdings nur einige Pixel und sollten für die Interpretation unerheblich sein.
[4] Bzw. mit den Knöcheln.
[5] Dieser Mechanismus ist bezogen auf Mikroevolution ausreichend durch Experimente bewiesen worden, Makroevolution stützt sich aufgrund der Unmöglichkeit der Beobachtung auf weniger gesicherte, aber in der Fachwelt weithin, wenn nicht völlig akzeptierte Methoden. Derzeit wird Makroevolution nicht von Wissenschaftlern, wohl aber von meist US-amerikanischen Vertretern der pseudowissenschaftlichen „Intelligent Design Theorie“ angezweifelt.
[6] Interessanter Weise sind die beiden Techniken – evolutionsbiologisch ausgedrückt – genetisch nah verwand, denn zwischen den Änderungen liegen nur 1 bis 2 Kampfkünstler-Generationen. Der Phänotyp der beiden Techniken ist für diese kurze Zeitspanne aber schon recht stark verändert worden. Es wäre interessant zu klären, ob diese sprunghaften Veränderungen bei der Weitergabe bzw. Überlieferung von Bewegungsinformation häufiger vorkommen.